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    Straße frei für Pinarello

    Sophia Willmes
    Sophia Willmes
    31. Mai 2023 4 Min.
    Straße frei für Pinarello

    Die wichtigsten Infos zu dem italienischen Fahrradhersteller

    Dabei sein ist alles, so der olympische Gedanke. Giovanni Pinarello, der Gründer einer der bedeutendsten Sportradmarken der heutigen Zeit, hielt vom wichtigsten Grundsatz der Sportwelt aber eher weniger. Sein Motto? Mitmachen alleine zählt nicht, gewinnen muss man.

    Im Radsport konnte Giovanni seinem Leitsatz nicht ganz gerecht werden, wie ihr später noch herausfinden werdet, sehr wohl aber in der Herstellung von Fahrrädern, die Rekorde brechen. Kaum eine Fahrradmarke kann sich so viele Grand Tour Siege auf die Kappe und den Rahmen schreiben, wie Pinarello. Wir tauchen heute ein in die Geschichte der Schaffer des Dogma und des Prince, wenn es heute heißt: Straße frei für Pinarello!

    Erst diesen Mai überraschten Bilder von Tom Pidcock und Pauline Ferrand-Prévot bei den französischen MTB Meisterschaften so manche treuen Pinarello Fans. Die beiden fuhren einen Mountainbike Prototyp des neuen Dogma XC, ganze elf Jahre nachdem die Italiener das letzte Mal Zeit, Expertise und Forschung in ein Mountainbike investiert hatten. Das neue Cross-Country Bike soll noch vor den olympischen Spielen im Sommer 2024 erhältlich sein und die ersten Bilder verraten uns schonmal, dass der asymmetrische Rahmen sowohl über eine anpassbare Flex-Stay Federung verfügt, also auch über einen geteilten Hinterbau, der wohl demnächst patentiert werden soll.

    Ein neues Mountainbike also, von den Meistern der Rennräder. Kaum eine Fahrradmarke hat sich so ehrgeizig der Geschwindigkeit verschrieben wie Pinarello. Sie waren die Ersten, die Raumfahrttechnik in die Fahrradwelt brachten, die Einzigen, die ganze 15 Mal die Tour de France gewannen und schreiben so seit mittlerweile über 70 Jahren Sportgeschichte.

    1952 eröffnete der erste Cicli Pinarello Laden im venezianischen Treviso, aber der damals 30 jährige Giovanni Pinarello war zu diesem Zeitpunkt längst schon der Radwelt verfallen. Immerhin wuchs er im goldenen Zeitalter des italienischen Radsports auf, war von Kindheit an ein inniger Bewunderer von Athleten wie Gino Bartali oder Fausto Coppi. Er wandte sich Amateurrennen zu und 1947 gelang ihm sogar der Sprung in die Liga der Profisportler.

    Ein kurzer Sprung, den der Giro d'Italia von 1951 abrupt beendete. Giovanni, dem, der ans Siegen, nicht ans Dabeisein glaubte, wurde die berüchtigte Maglia Nera verliehen, das Trikot, das dem gebührte, der am schlechtesten abgeschnitten hatte. Sein Team liess ihn daraufhin kurzerhand links liegen und ersetzte ihn mit einem anderen vielversprechenden jungen Talent, zahlte ihm aber immerhin eine ordentliche Abfindung von 100.000 Lira. Der gefallene Sportler nahm das Geld an, investierte es in Cicli Pinarello und begann fortan die Radwelt zu verändern.

    Ob sein unvergleichlicher Ehrgeiz und Biss dieser bitteren Niederlage entsprang, kann man nur kühn vermuten. Fakt ist, dass gerade einmal zehn Jahre nach Gründung der Marke ein erster Toursieger das Pinarello Trikot trug. Als Guido de Rosse 1961 die Tour de l'Avenir gewann, war dies nur eine leichte Vorahnung der Menge an Goldmedaillen, die in den nächsten Jahrzehnten folgen würde.

    1975 trug dann Giovanni Battaglin auf einem Pinarello ganze fünf Tage die Maglia Rosa, 1981 ging er auf demselben Fahrrad als Gesamtsieger des Giro hervor. Die 80er Jahre, bereits so gloriös gestartet, wurden zu einem der aufregendsten Jahrzehnte für den Hersteller. Battaglin und der Giro, Alexi Grewal, der 1984 olympisches Gold holt, Pedro Delgado, der 1988 die Tour de France für Pinarello gewann... Giovanni war nun endlich an der Spitze des Radsports angelangt, wenn auch anders als erwartet. Ein passender Zeitpunkt also, um sein Zepter weiterzureichen, an seinen Sohn, Fausto Pinarello, der bis heute das Unternehmen leitet.

    Miguel Indurains Espada von 1994

    Mit dem legendären Sportler Miguel Indurain und dem Ingenieur Marco Giachi schlugen die Italiener unter Faustos Leitung das nächste Kapitel ihrer Geschichte auf. Giachi wechselte vom Formel 1 Helden Lamborghini zu Pinarello, Geschwindigkeit war seine Leidenschaft und er brachte die Expertise und Arbeitsweisen der Rennbahnen in die Fabrik in Treviso. So begann er Fahrräder im Windtunnel zu designen und zu testen, experimentierte mit Carbonfasern und schuf so das berühmte Pinarello Espada, auf dem der damals vierfache Tour de France Sieger Miguel Indurain 1994 den Weltrekord im Zeitfahren aufstellte. Ein Jahr später, wieder auf einem Espada folgte sein fünfter Tour de France Sieg.

    Giachi formte mit seinen Innovationen maßgeblich Pinarellos Erfolge in den 1990ern, auch Jan Ulrichs und Bjarne Riis' Tour de France Sieg und die 1999 Weltmeisterschaft des Telekom Teams gehen auf ihn und sein Pinarello Paris zurück.

    Jan Ulrichs Paris von 1997

    Geschwindigkeit ist und bleibt alles für Pinarello, die bis heute Rennräder bauen, die agil aber stabil, aerodynamisch und innovativ, leicht und kurvengewandt sind. Mit ihnen bezwingt man Kletteretappen und weite endlose Asphaltbahnen gleichermaßen. Aber das neue Dogma XC und die E-Bike Linie des Herstellers stellen unter Beweis, dass die Italienier sich keinesfalls auf ihren vergangenen Rekorden ausruhen, sondern full speed in die Zukunft rasen. Die Pinarello Nytro E-Bikes beispielsweise sind alles, was ein Rennrad sein soll, aber fügen die Power einer ultraleichten 360 Wh Batterie hinzu, die einen Boost von bis zu 300 Watt ermöglicht. Und das, ohne, dass der Rahmen auch nur ansatzweise vermuten lassen würde, dass das Nytro kein klassisches Pinarello Bike ist.

    Seit 2016 gehört Pinarello zur Luxusgruppe LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton SE, der Sitz liegt aber nach wie vor im bescheidenen Treviso, wo 1952 alles begann. Pinarello gewinnt, mit allem. Sie haben Raumfahrttechnologie in die Radwelt gebracht und wohl kaum eine andere Marke hat den ehrgeizigen Sportsgedanken so tief in ihrer DNA verwurzelt.

    Weltmeisterlich sind die Pinarello Fahrräder eh. Dafür aber auch relativ erschwinglich erhältlich, denn die Spitzenräder der Profis werden regelmäßig ausgetauscht und können dann als gebrauchte Topbikes ergattert werden - auch bei buycycle. Werft also doch einen Blick auf unsere Website oder in unsere App, vielleicht findet ihr ja das Pinarello eurer Träume. Bei weiteren Fragen rund um das Thema Fahrrad lohnt sich ein Blick in den Blog, oder aber ihr fragt beim buycycle Team nach. Bis dahin wünschen wir euch, wie immer: Happy browsing, happy cycling!