Der buycycle Rahmenvergleich
Aluminium oder Carbon? Alter Hase oder neuester Schrei? Welches denn nun wirklich das ideale Rahmenmaterial sein soll, wird heiß diskutiert in der Fahrradwelt und nein, eine goldene Formel gibt es wie so oft nicht.
Um also ein bisschen Licht ins Dickicht der Carbon VS Alu Mythen zu bringen und euch so die Entscheidungsfindung beim nächsten Bike-Kauf zu erleichtern, hat Nic euch ein YouTube Video gezaubert und ich passend dazu diesen Blogartikel.
1. Das Materialien 1x1
Bevor wir uns in den Vergleich stürzen, lasst uns erst einmal ein wenig Materialkunde betreiben und die Grundeigenschaften der beiden Rohstoffe abhaken.
Carbon ist ein Kunststoff, der mit extrem belastbaren Kohlenstoff-Fasern verstärkt ist und ursprünglich für die Luft- und Raumfahrtindustrie entwickelt wurde. Da die einzelnen Faserstränge aufs Feinste manipuliert und bearbeitet werden können, ist Carbon ein sehr flexibles und anpassungsfähiges Material. Es hat eine relativ geringe Dichte und ist, obwohl es sehr wenig wiegt, ziemlich widerstandsfähig und fest.
Je nach Budget und Zweck der Produktion gestaltet sich der Herstellungsprozess allerdings sehr unterschiedlich. Die Fasern werden unterschiedlich stark erhitzt, mit anderen Harzen verklebt, unterschiedlich geschichtet und gerichtet und all diese Variationen des schlussendlichen Carbon Produktes haben einen wesentlichen Einfluss auf seine Charakteristiken - das gilt auch für Fahrradrahmen aus Carbon und deren Fahreigenschaften.



Aluminium ist uns als Material nicht ganz so fremd wie Carbon. Als sehr leichtes und extrem billiges Metall ist es schon lange ein beliebter Rohstoff für die Fahrradindustrie. Da es allerdings sehr weich ist, waren frühere Fahrradrahmen aus Aluminium extrem dick, nur so konnte mit dem verwendeten Material eine ausreichende Robustheit des fertigen Fahrrads garantiert werden. Bis heute wird Aluminium für ausreichend Stabilität und Langlebigkeit mit anderen Metallen wie Magnesium, Zink oder Silicon vermengt.
2. Gewicht
Da Carbon weniger dicht ist als Aluminium, wiegt ein Rahmen aus Carbon auch durchschnittlich 200 bis 500 Gramm weniger als ein Aluminiumrahmen. Mit einem leichteren Bike lässt es sich besser klettern, schneller beschleunigen und man kann es einfacher kontrollieren und wenden. Aber bevor wir an dieser Stelle 1:0 für Carbon verkünden: Einen wirklichen Unterschied beim Fahren werden die wenigsten feststellen können.
Zudem werden bei billigeren Carbonrahmen die einzelnen Fasern und Schichten mit mehr Harz verklebt. So kann es durchaus vorkommen, dass ein High-End Aluminium Bike leichter ist als eine Lower-End Carbon Bike. Zu guter Letzt spielt auch immer die Wahl der Komponenten für das Gewicht der Räder eine Rolle.
3. Komfort, Steifigkeit und Fahreigenschaften
Auch wenn Komfort stark dem subjektiven Empfinden unterliegt: Carbon punktet hier meistens besser. Da das Material Stöße und Vibrationen besser absorbiert, bieten Carbonräder ein smootheres Fahrerlebnis. Dadurch, dass die Schichtung und Richtung der Fasern zudem so fein abgestimmt werden kann, fällt es Herstellern leicht, Carbon Bikes seitlich steif und vertikal nachgiebig zu gestalten - perfekt für holprigeres Terrain ohne auf Geschwindigkeit und leichtes Handling, vor allem in engen Kurven, verzichten zu müssen.

Aluminium Bikes gelten auch heutzutage noch als ziemlich steif und unnachgiebig. Das liegt daran, dass tatsächlich vor 30 Jahren die Rahmen noch extrem dick, steif und dicht gebaut werden mussten, um ausreichend stabil zu sein. Mittlerweile können die Ingenieur:innen die Dicke des Rahmens an einzelnen Stellen variieren und somit ähnliche Eigenschaften erzielen, wie Carbonrahmen sie haben. So werden durch hydroforming oder butting die Rahmendicke und -form beeinflusst und Aluminium holt im Komfort-Wettbewerb wieder etwas auf.
Auch hier läuft es schlussendlich wieder auf die Wahl der Komponenten hinaus - auf die Art der Federung, die Form des Sattels, die Breite der Reifen und Geometrie des Rahmens - denn die bestimmen das Fahrerlebnis maßgeblich.
4. Langlebigkeit und Reparaturmöglichkeiten
Carbon ist, obwohl es so leicht ist und eine geringe Dichte hat, ziemlich widerstandsfähig und hält eine Menge Belastung aus. Im Herstellungsprozess können außerdem durch das Schichten der Fasern einige Bereiche des Rahmens noch schockresistenter gemacht werden, sodass Carbon Bikes unter guten Bedingungen quasi ewig fahrbar sind und sich auch nicht abnutzen. Nichtsdestotrotz sind sie weit davon entfernt unkaputtbar zu sein und Aluminium gilt weitgehend als das langlebigere und bruchbeständigere Material. Viele Offroad-Fahrer:innen und Trickster greifen deshalb lieber zu Aluminium Bikes, um sich die Sorgen um den Rahmen nach einem Unfall zu sparen und sich vollends auf die Manöver konzentrieren zu können.
Wer nämlich einen spektakulären Sturz hinlegt, kann sein Aluminium Bike noch jahrelang weiterfahren. Das Fahrrad wird vielleicht Kratzer und Dellen davontragen und auch die Fahreigenschaften des Fahrrads können durch solche Deformierungen beeinflusst werden, der Rahmen selbst bricht aber selten. Denselben Sturz überlebt ein Carbon Fahrrad weniger gut. Erleidet es einmal einen kleinen Riss, kann es komplett unerwartet ganz auseinanderbrechen, was zur ernsthaften Gefahr für den oder die Fahrer:in werden kann. Diese Risse nach einem Sturz sind manchmal nicht sofort ersichtlich, deshalb ist es als Besitzer:in eines Carbon Bikes wichtig, nach jedem Zusammenstoß oder Unfall den Rahmen genau unter die Lupe zu nehmen. Auch beim Befestigen von Komponenten können Carbonrahmen einreißen, wenn beispielsweise etwas zu fest verschraubt wird. Einmal gerissen, ist ein Rad aus Carbon nicht mehr fahrbar.

Glücklicherweise kann es aber immerhin relativ unkompliziert repariert werden und wird sich nach einem guten Reparatur-Service in seinen Eigenschaften nicht von einem neuen Bike unterscheiden. Bei kaputten Aluminiumrahmen ist es klüger, sie gleich ganz zu ersetzen, da eine Reparatur ziemlich kostspielig und aufwendig ist - ein neuer Rahmen ist da billiger. Pluspunkt: Im Gegensatz zu Carbon ist Aluminium recycelbar.
5. Preis
Lasst uns zum Schluss einen Blick auf die Preisschilder werfen: Carbon Bikes sind generell teurer. Die verwendeten Materialien kosten mehr, der Herstellungsprozess ist aufwändiger, zeitintensiver und benötigt besonderes Equipment und Fachwissen. Das alles schlägt sich natürlich auf den Preis nieder.
Aluminiumrahmen kosten oft nur halb so viel, so ist das Material selbst eines der billigsten auf dem Markt. Noch dazu können sie in hochautomatisierten Herstellungsprozessen in großen Massen produziert werden.
Diese Unterschiede in den Herstellungskosten und Preisen führen dazu, dass das Preis-Leistungsverhältnis von Aluminium jenes von Carbon besticht: Vergleicht man ein Alu und ein Carbon Bike aus der selben Preisklasse, dann werden beim Aluminium Fahrrad bessere Komponenten verbaut sein.
Es gilt also eine Balance zu finden, zwischen der Qualität des Rahmens und der der Komponenten - wie diese genau ausgestaltet werden soll, bleibt euch letzten Endes selbst überlassen. Aber behaltet vielleicht eines im Hinterkopf: Komponenten nachzubessern, ist immer leichter, als einen neuen Rahmen nachzurüsten.
6. Was ist denn jetzt besser? Carbon oder Alu?
Ihr habt es bereits geahnt: Eine universelle Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Wichtig ist vielmehr: Was ist euer Budget? Seid ihr eher Offroad-Tricksters oder Asphalt-Raser:innen? Wie viel Wert legt ihr auf Gewicht, wie sehr wollt ihr euch um die Folgen potenzieller Stürze sorgen? Seid ihr Anfänger:innen oder schon seit Jahren Hardcore-Radler:innen?
Soviel steht aber fest: Aluminium ist billiger, unkomplizierter und bereitet weniger Sorgen: Ride it, crash it, it is going to be fine. Carbon bietet mehr Möglichkeiten, was besondere Ansprüche an Fahreigenschaften angeht, ist leichter und wendiger.
Wer heutzutage aber zwischen zwei hochwertigen Rahmen aus Aluminium und Carbon wählen muss, kann bei der Entscheidung absolut nichts falsch machen. Die letzten spürbaren Unterschiede beim Fahren sind durch den technologischen Fortschritt in der Herstellung so minimiert worden, dass sie nur absoluten Profis und Radveteran:innen auffallen würden.
Wichtig ist und bleibt es, ein Bike zu finden, auf dem ihr euch wohlfühlt, das euch vollen Fahrspaß bringt und euch glücklich macht. Und wir bei buycycle haben vielleicht genau dieses perfekte neue Rad für euch. Werft also doch mal einen Blick auf unsere Website! Wenn ihr euch bei der Wahl eures neuen Fahrrads unsicher seid, ist unser Team jederzeit für euch da. Bis dahin wünschen wir euch wie immer: Happy browsing, happy cycling!
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