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So entlüftest du deine Shimano Bremse

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An einem Fahrrad ist jede Komponente mit Sinn versehen. Die Funktionalität der Bremsen ist dabei vermutlich die bedeutendste. Sie ist überlebenswichtig, ein Versagen im falschen Moment kann verheerend enden. Aus diesem Grund ist es von Vorteil, über die Funktionsweise der verbauten Bremseinheit Bescheid zu wissen. Ein regelmäßiger Check-up der Bremsklötze oder Beläge sollte zur Routine werden. Der hoch frequentierte Gebrauch sorgt selbstverständlich für Verschleißspuren. Besonders bei hydraulischen Bremssystemen kann die Bremsleistung außerdem abnehmen, wenn Luft in die Bremsleitungen gelangt. Abhilfe schafft das Entlüften. Hier erfährst du alles Wichtige über den Entlüftungsvorgang von hydraulischen Scheibenbremsen.

  1. Welche Arten von Bremsen gibt es beim Fahrrad?
  2. Warum entlüftet man eine Bremse?
  3. Wie oft sollte man Shimano Bremsen entlüften?
  4. Wie entlüftet man die Bremse selbst?

1. Welche Arten von Bremsen gibt es beim Fahrrad?

 

Fahrräder haben in der Regel Felgenbremsen oder Scheibenbremsen. Häufig werden beispielsweise Rennräder, Gravel Bikes, Mountainbikes, Trekkingräder oder City Bikes mit Felgenbremsen ausgestattet. Betätigt man den Bremshebel am Lenker, werden Bremsklötze beidseitig an die Felge am Rad gedrückt. Die entstehende Reibung drosselt die Geschwindigkeit. Felgenbremsen sind leichter und meist günstiger im Vergleich zu den Scheibenbremsen. Zudem sind sie sehr robust. Allerdings verschleißen die Felgen durch die entstehende Reibung und Hitze. Bei Nässe verringert sich die Bremsleistung. Scheibenbremsen sind an modernen Bikes aller Art gängig. An den Naben der Laufräder werden Bremsscheiben angebracht. Beim ziehen des Bremshebels drücken zwei Bremsklötze von beiden Seiten auf die Scheiben und verlangsamen das Fahrrad. 

                       

Sowohl Felgenbremsen als auch Scheibenbremsen werden in verschiedenen Funktionsweisen verbaut. Dabei kann die Bremskraft hydraulisch oder mechanisch übertragen werden. Hydraulische Bremsen müssen von Zeit zu Zeit entlüftet werden. Sie beinhalten ein geschlossenes Flüssigkeitssystem. Besonders bei Mountainbikes werden oft hydraulische Scheibenbremsen verbaut. Durch die Bremszüge läuft Mineralöl. Dieses lässt sich nicht komprimieren. Zieht der Fahrer den Bremshebel, wird Druck auf den Bremssattel geleitet. Dadurch pressen sich die Bremsbeläge gegen die Bremsscheibe.

2. Warum entlüftet man eine Bremse?

Wird das Nachlassen der Bremsleistung bemerkt, sollten zunächst die Bauteile auf ihren Verschleiß geprüft werden. Danach gibt es weitere mögliche Ursachen. Sind die Bremselemente verschmutzt oder überhitzt, entstehen ebenfalls Einbußen. Durch das Reinigen oder Abkühlen lassen, sind diese Mängel schnell behoben. Bei der Reinigung von Bremsscheiben und Bremsbelägen sollte kein Öl oder Fett an die Elemente gelangen. Wer sein Bike auf lange Touren in die Berge ausführt, riskiert regelmäßig überhitzte Bremsen. Vor Kauf kann auf Bremsbeläge geachtet werden, die thermisch vorbehandelt und somit etwas temperaturbeständiger sind. Ist die Bremse seit einiger Zeit in Gebrauch, kommt es vor, dass der Druckpunkt nach hinten wandert. Ein Indiz dafür ist, dass der Bremshebel weiter als sonst gezogen werden muss, um eine Bremsung auszulösen. Das kann allerdings auch für abgenutzte Bremsbeläge sprechen.

 Liegt tatsächlich eine Verlagerung des Druckpunktes vor, ist es naheliegend, dass Luft in das Bremssystem eingedrungen ist. Die Bremsflüssigkeit in den Leitungen kann nach Betätigung der Bremshebel somit den Druck nicht mehr ideal übertragen. Man kann Bremssysteme noch so gut abdichten, Luft findet nach einiger Zeit dennoch einen Weg in das Innere. Das ist halb so wild. Selbst unerfahrene Hobbybastler können selbstständig Shimano Scheibenbremsen entlüften und sich das Geld bei der Fahrradwerkstatt sparen. Es erfordert keinen großen Zeitaufwand. Besonders mit einem Entlüftungsset, auch Bleed Kit genannt, sind die Bremsen im Handumdrehen wieder richtig eingestellt. Es kann übrigens mehrmals verwendet werden, diese Investition lohnt sich. Egal ob Shimano XT, Deore, XTR, SLX oder weitere Modelle der Scheibenbremsen, das Entlüften funktioniert identisch.

3. Wie oft sollte man Shimano Bremsen entlüften?

Wie oft die Bremsen entlüftet werden sollten, ist nicht klar geregelt. Sobald der Druckpunkt schwammig wird und nach hinten wandert, ist meist eine Entlüftung nötig. Dabei lässt sich nicht genau vorhersagen, wie oft das der Fall ist. Normalerweise sollte das Entlüften nicht öfter als einmal im Jahr fällig werden, eher noch seltener. Ansonsten sind vermutlich diverse Dichtungen veraltet und gehören von einer Fachwerkstatt erneuert.

4. Wie entlüftet man die Bremse selbst?

Schnellentlüftung

Obwohl die Bremse das Wichtigste zur Gewährleistung der eigenen Sicherheit ist, kann man ohne Vorerfahrung selbstständig die eigene Bremse entlüften. Es gibt zwei Optionen um die Bremsen selbstständig zu entlüften. Die erste Variante eines Entlüftungsvorgangs, die hier vorgestellt wird, ist nicht so gründlich wie die zweite. Dafür ist sie besonders schnell. Außerdem wird kein vollständiges Entlüftungskit benötigt, lediglich ein Entlüftungstrichter. Das Fahrrad spannt man am besten in einen Montageständer oder man klemmt es ein, dass ein sicherer Halt gewährleistet ist. Man richtet den Bremshebel der zu entlüftenden Bremse horizontal aus. Das dementsprechende Laufrad muss demontiert werden. Die Öffnung mit der Entlüftungsschraube soll zum höchsten Punkt des Systems werden. Die Schraube kann nun ausgedreht werden. In diese Öffnung wird der Trichter eingeführt. Anschließend kann etwas Shimano Mineralöl in den Trichter gegeben werden. Der Bremshebel wird nun immer wieder etwas angezogen und locker gelassen. Währenddessen sollte man das Bike leicht neigen. Es steigen Luftblasen auf, die in der Flüssigkeit im Trichter sichtbar werden. Gelangt keine Luft mehr an die Oberfläche, ist man fertig.

Vorbereitung zur Komplettentlüftung

Um das Bremssystem komplett zu entlüften, ist neben dem Entlüftungskit einiges an Werkzeug nötig. Schraubendreher, Spitzzange, Inbusschlüssel, Maulschlüssel und Drehmomentschlüssel, sowie ein paar Lumpen kommen in Gebrauch. Beim Kauf des Service Kits sollte übrigens darauf geachtet werden, dass es für das jeweilige Bremssystem ausgelegt ist, das entlüftet werden soll. Es enthält in den meisten Fällen Mineralöl, dass vom gleichen Hersteller wie das Bremssystem sein muss. Entlüftungskits von Magura oder Sram sind somit für eine Shimano Bremse unbrauchbar. Die Kolbendichtungen können durch fremdes Hydrauliköl beschädigt werden. Das Shimano Entlüftungskit sollte den Entlüftungstrichter sowie Spritze, Schlauch und Öl-Stopper enthalten. In vielen Kits ist das Mineralöl auch enthalten, allerdings nicht in allen. Sauberes Arbeiten ist essentiell bei der Entlüftung selbst. Schließlich sollen keine Verschmutzungen in das Bremssystem gelangen. Am besten werden Bremsgriff und Bremssattel im Vorfeld gereinigt. Auch eine saubere Ablage für das Werkzeug ist wichtig. Während dem Befüllen passiert es häufig, dass das Mineralöl überläuft oder tropft. Dafür sollten immer ein paar saubere Lappen griffbereit liegen. Wenn Mineralöl auf den Rahmen des Bikes läuft, kann die Stelle mit Spiritus gereinigt werden. Andere Chemikalien wie Bremsenreiniger greifen den Lack an. Um deine Haut vor Flüssigkeiten und daraus resultierenden Irritationen zu schützen, können Handschuhe getragen werden. Bei besonders alten Modellen gibt es am Bremshebel montierte Ausgleichsbehälter. Hier muss der Deckel zum Entlüften abgenommen werden.
 

Komplettentlüftung im Schnelldurchlauf

  1. Laufrad ausbauen
  2. Bremshebel waagerecht stellen
  3. Bremsbeläge entnehmen
  4. Bremskolben komplett nach hinten drücken
  5. Bleedblock in den Bremssattel schieben
  6. Spritze vorbereiten und mit Mineralöl befüllen
  7. Spritze am Bremssattel ansetzen
  8. Entlüftungsschraube am Bremsgriff entfernen
  9. Trichter aufschrauben und befüllen
  10. Entlüftungsnippel am Bremssattel leicht aufdrehen
  11. Mineralöl von Spritze zu Trichter wandern lassen
  12. Entlüftungsschraube und Entlüftungsnippel einschrauben und verschließen
  13. Bleedblock entfernen und Bremsbeläge einsetzen
  14. Laufrad montieren und Bremshebel zurück in Position bringen
  15. Probefahren

Komplettentlüftung im Detail

Hier sollte das Bike mithilfe eines Montageständers oder Ähnlichem fixiert werden. Eine zweite Person, die im Zweifel helfen kann, schadet nicht. Das Laufrad der zu entlüftenden Bremse wird ausgebaut. Wie bei der schnelleren Variante des Entlüftens wird nun der Bremshebel der zu entlüftenden Bremse waagerecht gestellt. Die Entlüftungsschraube soll dabei den höchsten Punkt im System darstellen. Die Bremsbeläge sollen entnommen werden. Auf Bremsscheiben und Bremsbeläge darf in keinem Fall Öl gelangen. Zum Ausbauen muss als erstes die Sicherheitsschraube entfernt werden. Die Belege werden entnommen. Die Kolben werden vorsichtig zurückgedrückt, dafür kann man den sogenannten Bleedblock oder etwas anderes stumpfes verwenden. Dieser befindet sich ebenfalls im Entlüftungs Kit. Der Bleedblock kommt nun mit der abgerundeten Seite voran an die Stelle der Belege, in den Bremssattel. Mit der Sicherheitsschraube lässt der Bleedblock sich fixieren. Somit werden die Kolben in Position gehalten. Die Spritze lässt sich vorbereiten, indem man den Adapter auf sie dreht und anschließend den Schlauch mit Klemme auf den Adapter stülpt. Alle Teile findest du im Entlüftungs Kit. Die Spritze kann dann mit Mineralöl gefüllt werden. Circa ein viertel der Spritze sollte mit der Flüssigkeit aufgezogen werden. Dabei ist besonders wichtig, keine Luft in die Spritze gelangen zu lassen. Dafür wird nach dem Befüllen die Klemmung am Adapter verschlossen. Die Spritze setzt man nun mit etwas Druck am Bremssattel auf den Entlüftungsnippel. Der Entlüftungsnippel ist in der Regel mit einer Gummiabdeckung geschützt, die vorher entfernt werden muss. Am Bremsgriff befindet sich ein Ausgleichsbehälter. Die hier sitzende Entlüftungsschraube wird entfernt. Sie ist mit einem Dichtring versehen, der nicht verloren gehen darf. In die Öffnung der Entlüftungsschraube kann der Trichter aufgeschraubt werden. Etwa ein Zentimeter des Trichters wird mit Mineralöl gefüllt. Der Entlüftungsnippel am Bremssattel soll um eine viertel Umdrehung geöffnet werden. Dafür wird ein 7er Maulschlüssel oder ein Innensechskant benötigt. Mithilfe der Spritze führt man das Mineralöl in das Bremssystem. Im Trichter am Bremshebel steigt zum einen die Flüssigkeit, zum anderen steigen Luftblasen auf. Der Inhalt der Spritze sollte nicht komplett geleert werden. Es ist wichtig, durch diesen Schritt keine neue Luft in das System zu führen. 

Ein Blick in den Trichter verrät, ob das Mineralöl noch gut ist. Falls es eine andere Farbe als die neue Flüssigkeit hat oder sich Fremdkörper darin befinden, muss es im Trichter aufgefangen und entsorgt werden. Um das Bremssystem komplett zu entlüften, lässt sich die Spritze mit Öl aufziehen und anschließend wieder entleeren. Das Mineralöl wird also zwischen Trichter und Spritze hin und her bewegt. Wichtig dabei ist, die Spritze nie komplett zu entleeren um keine Luft in das System zu bringen. Während des Vorgangs kann immer wieder der Bremshebel gezogen werden sowie die Bremsleitungen vorsichtig abgeklopft werden. So steigen Luftblasen im Trichter auf. Die letzten Luftansammlungen verschwinden. Besonders beim Entlüften der Hinterradbremse kann es zu Schwierigkeiten kommen. Das kommt von unvorteilhaft verlegten Bremsleitungen. Sind sie besonders kurvenreich verlegt, erschwert das den Entlüftungsvorgang. Um Abhilfe zu schaffen, werden die Bremsleitungen so gerade wie möglich gelegt. Durch das Losschrauben und hängen lassen des Bremssattels lässt sich der Eintrittspunkt des Mineralöls besonders weit nach unten verlagern. Die Luft steigt so hoffentlich leichter über den Trichter nach außen. Sobald im Trichter keine Luftblasen mehr aufsteigen, kann die Entlüftungsschraube am Bremssattel geschlossen werden. Die Entlüftungsschraube muss mit einem Drehmoment von 4-6Nm geschlossen werden. Dafür benötigt man einen kleinen Drehmomentschlüssel. Nachdem die Spritze abgezogen wurde, kann die Gummiabdeckung zurück auf den Entlüftungsnippel. Der Bremssattel wird mit einem sauberen Lumpen gereinigt. Nachdem der Bremshebel ein paar mal gezogen wird, sitzt der Druckpunkt im Normalfall wieder ideal. Der Trichter wird mit dem Trichter Stopfen verschlossen und danach abgeschraubt. Das Mineralöl sollte bis zur Einschrauböffnung stehen. Die Entlüftungsschraube samt Dichtung wird wieder am Bremshebel eingedreht. Sie sollte nicht zu fest eingeschraubt werden. Altes Mineralöl aus Trichter und Spritze werden ordnungsgemäß entsorgt. Stellen am Bike, die mit Mineralöl in Verbindung gekommen sind, werden mit Spiritus gereinigt. Wenn der Druckpunkt wieder weiter nach vorne gewandert ist, kann der Bleedblock entfernt und die Bremsbeläge eingesetzt werden. Ist das Laufrad wieder montiert und der Bremshebel richtig ausgerichtet, steht das MTB oder Rennrad wieder fahrbereit. Nach einer erfolgreichen Entlüftung kann das Bike Probegefahren werden. Dabei sollte man darauf achten, dass die Bremse im besten Fall wieder deutlich früher greift. Der Druckpunkt wandert wieder nach vorne. Ist man noch die alte Bremse gewohnt, kann es passieren, zu stark zu bremsen. Sollte nach dem Entlüftungsvorgang dennoch keine oder kaum Veränderung des Druckpunkts festzustellen sein, kann das an den Dichtungen liegen. Alter und Verschleiß sorgen für Probleme. Die Dichtungen sollten in einer Fachwerkstatt erneuert werden, um wieder für Luft undurchlässig zu sein.

Wem der Entlüftungsvorgang nicht geheuer erscheint, kann selbstverständlich auch in eine Fahrradwerkstatt gehen. Schließlich gibt es doch ein paar Punkte, auf die man für ein sauberes Ergebnis achten muss. Erst durch mehrmaliges Entlüften entwickelt man hier eine Routine und merkt, worauf es wirklich ankommt. Dennoch ist das Entlüften auch zu Hause und ohne Vorkenntnisse machbar. Am besten probiert man es einfach mal aus. Bei Fragen rund um das Bremssystem steht dir das buycycle-Team mit Rat und Tat zur Seite

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